|
Laut Literatur kann es bei etwa der Hälfte der Patienten nach
der Vasektomie zur Bildung von Spermatozoenantikörpern (Schill 1977) kommen. Darunter versteht man die Bildung von bestimmten Bausteinen im Körper, die die Befruchtungsfähigkeit der im Hoden
verbleibenden Samenzellen behindern. Dies hat aber auf den Patienten im Normalfall keine negativen Auswirkungen:
Einzige Ausnahme: Eine gewisse Bedeutung gewinnen die
erhöhten Spermatozoenantikörper dann, wenn eine Refertilisierung erwünscht ist (Linnet 1983). Es hat sich gezeigt, dass bei sehr hohen Antikörpertitern die Erfolgsaussichten auf eine
Schwangerschaft eingeschränkt sind.
Nebenwirkungen hinsichtlich Potenz, sexuellem Empfinden, sexuellem Verlangen
(Libido), Orgasmusfähigkeit o.ä. sind weltweit nicht bekannt (Richards 1981). Untersuchungen in unserem Patientengut haben gezeigt, daß nahezu alle Männer mit der Entscheidung zur Vasektomie
vollkommen zufrieden waren und im Falle einer nochmaligen Entscheidung erneut zu einer Vasektomie bereit wären. Das Familienleben, insbesondere das Eheleben und die Lust am Sex verbessern sich nach
Vasektomie bei vielen Paaren, da sie nun keinerlei Angst vor ungewollter Schwangerschaft mehr haben müssen. Eine Einschränkung der Libido, sexuellen Leistun gsfähigkeit oder Orgasmusfähigkeit ist
technisch und anatomisch bedingt, durch die Sterilisation selbst nicht möglich. Postoperative psychische Probleme sind fast immer präoperativen Ursprungs. Patienten, die schon vor der Vasektomie
einen ängstlichen und unsicheren Eindruck machen und psychische Probleme postoperativ erwarten, sollt man besser nicht operieren und zunächst nach den Ursachen forschen.
Es gibt grundsätzlich keinen Zusammenhang zwischen Vasektomie als Operation und
psychischen Veränderungen. Das Gleiche gilt auch für Erektionsstörungen. Besonders problematisch sind aber Männer, die Zeugungsfähigkeit mit Männlichkeit gleichsetzen. Aber auch Männer, die
besonders frauenfreundlich sein wollen, es nur ihrer Frau zuliebe machen lassen und es eigentlich nicht wollen, werden u. U. postoperativ psychische Probleme haben, wenn sie entdecken,
dass sie unter einem Zwang von aussen handelten. Die Kunst des Arztes besteht darin, dies vor einer OP zu erkennen und den Patienten entsprechend aufzuklären.
Als eiserner Grundsatz sollte daher gelten: Im Zweifelsfalle nicht operieren,
sondern abwarten.
Vasektomierte Männer haben kein erhöhtes Risiko an Prostata- oder Hodenkrebs zu
erkranken. Trotzdem die Vasektomie schon jahrzehntelang weltweit durchgeführt wird, gibt es bis heute keine Studien, die einen möglichen Zusammenhang nachweisen können. Unabhängig davon sollten sich
Männer regelmäßig jährlich einmal zu Krebsvorsorgeuntersuchungen bei Ihrem Arzt vorstellen:
- ab dem 20. Lebensjahr zur Hodenkrebs-Früherkennung
- ab dem 40. Lebensjahr zusätzlich zur Prostatakrebsfrüherkennung
- ab dem 50. Lebensjahr zusätzlich zur Dickdarmkrebsfrüherkennung
|